Newsletter 23

Wochenspruch aus Matthäus 11, 28: Jesus sagt: Kommt zu mir, alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Bei mir werdet ihr Ruhe finden.

Liebe Gemeinde,

„Ruhe finden“ klingt gut, vor allem in unruhigen Zeiten. Traditionellere Übersetzun­gen sagen: „…ich will euch erquicken“ – das versteht keiner mehr. In der Reformationszeit war es üblich, dass theologische Autoren einen Bibelvers als Wahlspruch auf ihre Schriften setzten. Bei Menno Simons war es 1. Korinther 3, 11: Einen anderen Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Als gute Mennoniten wissen wir das. Huldreich Zwingli, der führende Kopf der Zürcher Reformation, aus der die täuferisch-mennonitische Bewegung hervorging, setzte auf alle seine Veröffentlichungen den Spruch Jesu aus Matthäus 11,28. Man nennt ihn den „Heilandsruf“.

Wir leben in sehr sonderbaren Zeiten. Sie sind einerseits geprägt durch Stillstand und erzwungene Ruhe – auch wenn manches nun wieder öffnet, andererseits aber fühlen viele Menschen auch Anspannung, Mühe und Belastung. Viele Familien mit kleinen Kindern sind belastet. Viele Schülerinnen und Schüler haben den Eindruck, dass sie von ihren Lehrkräften über Internet mehr Arbeit aufgelastet bekommen, als sie zu Schulzeiten haben. Lehrkräfte müssen sich völlig neue Methoden aneignen und sehen sich Vorwürfen ausgesetzt. Menschen müssen Planungen machen für künftige Aktivitäten in Beruf und Familie, wissen aber gar nicht, ob das, was sie da planen, jemals stattfinden wird. Das belastet und hemmt die Kräfte. Wir empfinden Unruhe im Blick auf die Zukunft. Wie lange wird es dauern, bis es Impfstoffe zur Behandlung oder gar zum Schutz vor dem Virus geben wird? Wird es den Wissen­schaftlern überhaupt gelingen? Was ist, wenn es nicht gelingt? Wie sieht dann unser Leben aus? Religion in der jüdisch-christlichen Tradition ist keine Versicherung gegen die Zweifelsfälle des Lebens. Gott garantiert nicht Glück und Erfolg. Glaube bewahrt nicht vor persönlichen und gesellschaftlichen Katastrophen, Mühen und Belastungen. Aber Glaube kann helfen, in diesen Belastungen und Mühen nicht zu verzweifeln, sondern sie durchzustehen und trotzdem Kraft und Ruhe zu finden – mitten im Sturm. Wie und warum? Weil wir in unserem Glauben, in unserem Vertrauen auf Gott gewiss sein dürfen, trotz allem in Gott geborgen zu sein und nicht tiefer fallen zu können, als in Gottes Hand.

Ich wünsche uns allen, dass wir in diesen Zeiten neu entdecken können, wie dieses Gottvertrauen tragen kann – jenseits alles mehr oder weniger begründeten Zutrauens in medizinische Forschung oder in diverse Schutzmechanismen vor Ansteckung, so wichtig diese sind.

Gottesdienst im Gemeindehaus
Mittlerweile versammeln sich Sonntag für Sonntag wieder etwa 20 Menschen im Gemein­dehaus zum Gottesdienst. Johannes Harder sorgt von zu Hause aus dafür, dass die Live-Übertragung im Internet und über Telefon klappt, Andreas Wehner und Kornelius Peters arbeiten im Gemeindehaus in engem Kontakt mit ihm bei der Bild- und Ton-Technik zu­sammen. Wir danken ihnen und allen anderen Freiwilligen im Hintergrund sehr herzlich! Mittlerweile scheint auch die Telefonübertra­gung besser zu klappen. Hier gibt es alternative Nummern, die man ausprobieren kann. Die Situation ist zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig: Menschen, die nicht in einem gemeinsamen Haushalt leben, müssen mindestens 1,50 m voneinander entfernt sitzen. Nach der neuesten Corona-Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz darf man nun aber die Mund-und-Nasen-Maske abnehmen, wäh­rend man auf seinem Platz sitzt. Wir lüften viel. Aufgrund der sehr wahrscheinlich höheren Ansteckungsgefahr dürfen wir nicht gemeinsam singen. Stattdessen werden manche Lieder durch einen Vorsänger oder eine Vorsängerin als Solo gesungen. Andere werden z. B. durch frühere CD-Aufnahmen unseres Chors akustisch eingespielt. Auch die Jugend-Band hat schon mit einigem technischen Aufwand, ohne zusammenkommen zu müssen, Stücke aufge­nommen, die dann auch eingespielt wurden. Einmal hörten und sahen wir auch eine kleine Singgruppe, die mit großem Abstand vonein­ander ein Lied aufgenommen hat. Die Technik macht heute vieles möglich. Dafür sind wir dankbar. Man kann über die Einschränkungen klagen, aber man kann auch das Beste daraus machen und trotzdem guten Mutes sein. Wir gehen achtsam miteinander um und vielen tut es gut, einander wieder im Gemeindesaal konkret zu begegnen und auch hinterher bei gutem Wetter im Freien vor dem Eingang ein paar Worte zu wechseln – auch wenn Stehkaffee noch nicht erlaubt ist. Es hilft, wenn man sich jeweils vorher telefonisch anmeldet: 06303 3883. Aber noch gibt es genügend Platz. Die Anwesenden müssen namentlich registriert werden, die Listen werden vier Wochen gespeichert. Kindergottesdienst findet bis auf weiteres nicht statt, dafür gibt es ein Angebot für Kinder im Internet um 09.30 Uhr.

Wir laden herzlich ein zu den weiteren Gottes­diensten im Juni. Am 14. Juni predigt Aaron Klaaßen, am 21. Juni Marlies Klassen und am 28. Juni Rainer Burkart.

Gemeindebrief für Juli bis September
Ende Juni oder Anfang Juli planen wir einen Gemeindebrief, auch wenn es für viele geplante Veranstaltungen noch große Fragezeichen gibt. Alle Verantwortlichen in einzelnen Gemeinde-kreisen sind aufgefordert, bis 20.06. ihre Beiträge und Infos für den Gemeindebrief einzusenden – wie gewohnt.

Jugendarbeit
Unser Jugendreferent Chris Blickensdörfer hat seine Arbeit mit den Jugendlichen praktisch ganz ins Internet verlegt. Dort treffen sich die Jugendlichen regelmäßig mit ihm zu vielfältigen Aktivitäten. Er überlegt aber auch Möglichkei­ten für gemeinsame Aktivitäten mit realer Begegnung.

Ich wünsche allen Gottes Segen und Geleit in diesen Tagen und grüße herzlich
Ihr/Euer
Rainer W. Burkart, Pastor