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Andacht aus dem Gemeindebrief

„Das Leid lehrt, standhaft zu bleiben. Die Standhaftigkeit lehrt, sich zu bewähren. Die Bewährung lehrt zu hoffen. Aber die Hoffnung macht uns nicht zum Gespött. Denn Gott hat seine Liebe in unsere Herzen gegossen durch den Heiligen Geist.“ (Römer 5, 3 – 5)

Liebe Gemeindeglieder, liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde,

ein ganz normaler Gemeindebrief, der nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass wir nicht in normalen Zeiten leben. Der letzte ist ausgefallen. Stattdessen gab es Newsletter an unsere Mitglieder. In vielen schlummerte der Optimismus, dass das ja sicher bald zu Ende gehen und dann alles wieder normal sein würde. Weit gefehlt! Ein gefährliches Virus hat viel Leid über die Welt gebracht. Noch immer sterben viele an Covid-19 oder leiden an den Folgen. Vielerorts war oder ist es deutlich schlimmer als bei uns. Unser Alltag ist anders geworden. Viele sind sehr verunsichert. Manche verlassen kaum noch das Haus. Wie lange wollen sie das durchhalten? Wie wird es weiter gehen? Wann wird es einen Impfstoff geben? Wird es ihn überhaupt geben? Kennen wir nicht viele andere Viren, gegen die es bis heute keinen Impfstoff gibt? Wird man wenigstens wirksamere Behandlungsmöglichkeiten finden? Wurde zu früh gelockert? Wird die befürchtete „zweite Welle“ kommen? Können und wollen wir dauerhaft mit massiven Einschränkungen leben? Zeiten wie diese erinnern uns daran, dass wir vieles nicht in der Hand haben. Das macht uns Angst, vor allem uns hier im reichen und sicheren Norden der Welt, wo wir es gewohnt sind, optimistisch in die Welt zu schauen, weil alles geordnet läuft und es gegen alle Eventualitäten das geeignete Mittel gibt, sei es politisch oder medizinisch. Aber auf einmal fühlen wir uns machtlos und fürchten uns vor dem Leid, das uns drohen könnte. Unsere gewohnten Mechanismen sind begrenzt. Reicht unser Optimismus oder brauchen wir mehr? Im Glauben reden wir von Hoffnung. Paulus schreibt der jungen, bedrängten Gemeinde in Rom diesen obenstehenden Satz über das Leid und die Hoffnung. Hoffnung ist ein großes Wort. Hoffnung ist stärker als alles, womit man rechnen kann, stärker sogar als Leid und Tod. Aber sie fällt einem nicht so einfach zu, jedenfalls denkt das Paulus aus der Perspektive des Glaubens heraus. Da kommt aus dem Leid das Standhaft-Bleiben, daraus dann das Sich-Bewähren, aus dem dann Hoffnung erwachsen kann. Der Grund dafür ist, dass wir von Gott geliebt sind. Wenig später schreibt Paulus, dass nichts und niemand uns von dieser Liebe trennen kann, keine Macht des Lichts oder der Finsternis. Diese Liebe gibt uns Würde und Wert. Wenn die Hoffnung dann da ist, dann kann ihr auch der Spott derer nichts mehr anhaben, für die die Rede von Gott Unsinn ist. Er verstummt dann, weil er spürt, dass Optimismus nicht genügt, wenn es ernst wird.

Ich wünsche uns, dass uns die Hoffnung zuwächst und uns bewahrt vor zu großer Sorglosigkeit und zu großer Furcht.
Ihr/Euer
Rainer Burkart